Tagebuch eines Wanderpredigers
Band 7, Kapitel 16
13. bis 18. September 2006
von Indradyumna Swami
Ein löwengleicher Mensch
Ich bestieg mit meinem Sekretär Uttama-shloka das Flugzeug von Moskau nach Krasnojarsk. Wir versuchten es uns bequem zu machen, aber das war gar nicht so einfach. Die Sitze waren klein und eng aneinander. Obwohl die Maschine überholt worden war, war es doch ein Oldtimer, mindestens 20 Jahre alt. Aber es war Mitternacht und wir waren erschöpft, so dass wir auf unserem 5-Stunden–Flug nach Sibirien schließlich einschliefen.
Eine halbe Stunde vor der Landung ging die Boardbeleuchtung an. Als ich aufwachte, bemerkte ich, wie mich ein Mann von der anderen Seite des Ganges anstarrte. Schließlich stand er auf und kam herüber.
„Ich bin nur neugierig“, sagte er. „Warum reisen sie nach Krasnojarsk? Dorthin kommen nur wenige ausländische Touristen.“
Bevor ich antworten konnte, sprach er schon weiter: „Sicherlich kennen sie Sibiriens dunkle Geschichte“, sagte er, „Stalin errichtete dort in den 30er Jahren viele Zwangsarbeitslager und schickte dorthin zehntausende politischer Dissidenten in den Tod. Und die Zukunft ist auch nicht viel rosiger.“
Er sah sich nervös um und zog die Augen brauen hoch. „Sibirien ist gerade dabei zur nuklearen Mülldeponie der Welt zu werden“, sagte er. „Verschiedene Länder haben der russischen Regierung Milliarden Dollar gezahlt, um ihren hoch radioaktiven Abfall in der Umgebung von Krasnojarsk abkippen zu können. Aber die Bevölkerung Sibiriens bekommt nichts von dem Geld zu sehen. Das bleibt alles in Moskau. Nur eines bekommen die Leute hier.“
„Und das wäre?“, fragte ich. „Krebs!“, antwortete er laut. Der Mann im Sitz vor mir drehte sich um. „Sie kippen den Atommüll in riesige Löcher in der Nähe zweier Städte auf beiden Seiten von Krasnojarsk. Es ist kein Zufall, dass die Region eine der höchsten Krebsraten der Welt hat.“
„Warum leben dann Menschen hier?“, fragte ich.
„Sie zahlen hier hohe Gehälter, um die Leute in der Stadt zu halten“, sagte er. „Die Leute machen alles für Geld.“
Er machte eine Pause. „Sie sterben sogar dafür“, fügte er hinzu.
„Mein Gott!“, rief ich. „Und warum fliegen sie dorthin?“
„Ich bin Arzt“, sagte er. „Meine Organisation hilft dabei eine Krebsklinik in Krasnojarsk zu organisieren. Ich fliege hin, um das Projekt zu besichtigen.“ Er ging zurück zu seinem Sitz.
„Eine der höchsten Krebsraten der Welt“, sagte ich zu mir selbst. „Wie auch immer, erst recht ein Grund um dort zu predigen. Das Leben ist so, dass die Menschen, selbst wenn sie leiden, daran erinnert werden müssen, dass diese Welt vergänglich und voller Leid ist und dass spirituelles Leben die einzige Alternative ist.“
Das war gewiss ein unbequemer Flug gewesen aber schlimmer noch war, dass wir nach der Landung noch 45 Minuten auf den Sitzen bleiben mussten um auf Busse zu warten, aber niemand verlor darüber ein Wort. Die Menschen in Russland sind hart im Nehmen. Sie sind Entbehrungen gewohnt und ich habe sie nur selten klagen hören. Der Kapitän stellte die Maschinen ab und wir saßen und warteten im dunklen, muffigen Flugzeug.
„Wären wir in Europa oder Amerika“, dachte ich, „würden sich die Leute schon lauthals beschweren, aber hier ertragen sie es einfach.“
Wer würde sie denn auch hören? Es gibt keine Beschwerdekästen in den Flughäfen, keine Formulare, die man ausfüllen und an die zuständigen Stellen schicken könnte.
Schließlich konnten wir das Flugzeug doch verlassen und so traten wir hinaus in die kühle Herbstluft. „Russen sind wirklich hart im Nehmen“, dachte ich, „aber sibirische Russen sind die härtesten, einfach weil sie in Sibirien leben, das berüchtigt ist für seine bitterkalten Winter.“
Ich schüttelte den Kopf. „Könntest du dir vorstellen“, dachte ich, „an einem der kältesten Orte der bewohnten Welt zu leben?“
Vor dem Flughafengebäude erwartete uns eine große Gruppe stämmiger Männer in Ledermänteln, die uns ein Taxi anbieten wollten. „Das ist wie in einer Szene aus den 1930ern“, sagte ich zu Uttama-Shloka. „Sieh dir nur diese alten Holzhäuser an. Die hellen Lichter Moskaus liegen weit hinter uns.“
Auf dem Weg in unsere Unterkunft sah ich noch einmal russische Dickfelligkeit. Gerade als wir an eine Kreuzung heranfuhren, rammte eine Straßenbahn ein kleines Auto. Die Fahrerin stieg aus dem Auto; Blut strömte ihr aus einer Wunde am Kopf. Sie griff in ihre Handtasche und zog ganz ruhig ein Tuch hervor, welches sie auf die Wunde legte. Ihr Beifahrer, ein Mann mitte 50, stand neben dem Auto und war offenbar unter Schock. Was mich am meisten erstaunte, war, dass die Leute vorbeifuhren ohne auch nur abzubremsen.
„Das ist unglaublich“, dachte ich.„An den meisten anderen Orten der Welt würden die Leute ihre Hilfe anbieten oder gucken, was passiert ist. Hier fahren sie einfach weiter.“
„Können wir nicht anhalten?“, fragte ich meinen Fahrer.
„Die Polizei wird bald da sein“, sagte er ruhig und fuhr weiter.
Ich wandte mich an meinen Schüler Guru Vrata dasa: „Was habt ihr für die vier Tage, die ich hier bin geplant?“, fragte ich ihn.
„Morgens und abends jeweils Vorträge“, antwortete er. „Tagsüber kannst du dich ausruhen. Allerdings haben deine Zigeunerfreunde gefragt, ob du sie morgen Nachmittag besuchen würdest. Es ist schon zwei Jahre her, dass du das letzte Mal dort warst.“
„Ja, auf jeden Fall. Das machen wir. Ich bin gespannt zu sehen wie es ihnen geht.“
Ich hielt kurz inne. „Sie haben wirklich Fortschritt gemacht im Krishna-Bewusstsein, oder?“, fragte ich.
„Äh, naja, du wirst das sicher am besten beurteilen können“, sagte Guru Vrata.
Am nächsten Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Zigeunerdorf.
„Weißt du“, sagte ich unterwegs zu Uttama Shloka, „ich habe einige Tagebuchkapitel über die Zigeuner geschrieben. Vielleicht bringt der Besuch genug Material für ein weiteres.“
„Vermutlich sollte ich es dir lieber jetzt sagen“, unterbrach Guru Vrata. „So gut wie alle Zigeuner, die du letztes Mal getroffen hast, sind tot oder im Gefängnis. Wie du weißt sind die meisten von ihnen Drogendealer.“
„Es tut mir Leid, das zu hören. Ich weiß, dass einige von ihnen ernsthaft am Krishna-Bewusstsein interessiert waren.“
„Das sind die, die heute kommen werden“, sagte Guru Vrata.
Eine halbe Stunde später kamen wir im Zigeunerdorf an. Während wir durch das Dorf fuhren, erinnerte ich mich an meine früheren Besuche. Die Kinder unterbrachen ihr Spiel um uns nachzuschauen. Wäsche aufhängende Frauen sahen uns an und wandten den Blick schnell wieder ab. Männer blickten von ihrem Kartenspiel auf und beobachteten uns eingehend während wir vorbeifuhren.
Mir fielen mehrere Holzbuden am Straßenrand auf. „Was verkaufen sie hier?“, fragte ich Uttama-Shloka.
„Drogen.“
„Hindert sie die Polizei nicht daran?“
„Das ist ein Staat im Staate“, antwortete Uttama-Shloka. „Die Polizei hat hier keine Verfügungsgewalt.“
„Sie Zigeuner sind also die härtesten der harten sibirischen Russen.“
„Was sagst du?“
„Ach nichts.“
Unser Wagen hielt vor dem Haus, in dem unser Programm stattfinden sollte.
„Wem gehört dieses Haus?“, fragte ich Guru Vrata als wir ausstiegen.
„Alexander. Dein Schülerschaftsanwärter und einer der führenden
Persönlichkeiten der Zigeunergemeinde.“
„Ach? Mein Schülerschaftsanwärter?“
„Ja. Nach deinem Besuch vor zwei Jahren fragten mich mehrere Zigeuner, ob sie deine Schülerschaftsanwärter werden könnten. Ich sah, dass es ihnen ernst war mit dem Krishnabewusstsein, und so stimmte ich zu.“
Als wir das Haus betraten, wurden wir von einigen Tempeldevotees aus Krasnojarsk begrüßt, die gekommen waren um bei der Vorbereitung des Programms zu helfen. Dann kam Alexander herein und brachte
seine vollen
Ehrerbietungen dar.
„Willkommen in meinem Heim, Guru Maharaja“, sagte er während seine Frau zu seiner Seite stand.
Das Haus war genau, wie ich es in Erinnerung hatte, sauber und ordentlich und mit Krishnabildern an den Wänden. Alexander führte mich in einen Raum im oberen Stockwerk um seine Freunde zu treffen. Nachdem ich mich gesetzt hatte kam ein großer Mann auf mich zu und viel flach vor mir auf den Boden. Mit Tränen in den Augen sagte er: „Bitte vergib mir Guru Maharaja, ich bin ein schlechter Mensch, aber ich will mich bessern.“
„Er heißt Victor“, sagte Alexander, „Er wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen.“
„Wie lange warst du im Gefängnis?“, fragte ich.
„Dreieinhalb Jahre“, antwortete Viktor. „Ich war zu fünf Jahren verurteilt worden, wurde aber wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Da ich bei der Verhaftung verletzt worden war, konnte ich im
Gefängnis nicht arbeiten, und
so chantete ich jeden Tag 16 Runden. Ich habe auch Shrila Prabhupadas Bücher gelesen und zu den anderen Gefangenen gepredigt. Da drin war es so höllisch, Guru Maharaja. Manchmal waren wir 40 Mann
in in einer 30 qm großen Zelle. Es gab oft Prügeleien unter den Gefangenen. Aber einer der Gefangenen war ein Anführer in der sibirischen Mafia. Ich machte ihn zu einem Devotee und er beschützter
mich. Die Gefängnisleitung schätzte mein Verhalten und meinen positiven Einfluss auf die anderen Gefangenen so sehr, dass sie mich Krishna- bewusstsein regelmäßig über das Gefängnisfernsehen
predigen ließen. Ich glaube fast, sie ließen mich nur ungern gehen.“
Die anderen lachten.
„Das Problem ist nur, dass ich im Gefängnis Krishna-bewusster was als jetzt außerhalb des Gefängnisses. Ich chante nicht mehr 16 Runden täglich. Was soll ich tun?“
„Verstehe, dass die ganze materielle Welt ein Gefängnis ist“, antwortete ich, „mit vier gewaltigen Mauern: Geburt, Alter , Krankheit und Tod. Es ist genau wie ein gewöhnliches Gefängnis: jeder
leidet hier und es ist schwer
herauszukommen.“ Viktor hörte gespannt zu.
„Die heiligen Namen zu chanten ist die einzige Möglichkeit von der materiellen Existenz frei zu werden. Wenn es dir ernst damit ist, rauszukommen, dann wirst du chanten.“
„Danke Guru Maharaja. Ich verspreche 16 Runden täglich zu chanten.“
„Bist du verheiratet“, fragte ich.
Es wurde still im Raum. Guru Vrata beugte sich zu mir: „Seine Frau ist noch im Gefängnis. Es gibt unter den Zigeunerfrauen eine Art Ehrencodex, der beinhaltet, dass sie eine Mitschuld für die
Verbrechen ihrer Ehemänner
übernehmen, selbst wenn sie unschuldig sind. Auf diese Weise müssen ihre Männer weniger lange ins Gefängnis.“
„Ich verstehe.“
Ich wechselte schnell das Thema. „Und wo ist der gut aussehende Zigeuner,
der letztes mal hier war. Der mit den hellen Augen?“
Wieder wurde der Raum still. Wieder beugte sich Guru Vrata zu mir: „Er wurde letzten Monat in einem Messerkampf schwer verwundet. Man brachte ihn in ein Krankenhaus, aber als die Ärzte sahen, dass er ein Zigeuner ist, ignorierten sie ihn und überließen ihn seinem Schicksal. Aber dann sah einer der Ärzte seine Halskette und fragte, ob er ein Devotee Krishnas sei. Offensichtlich mochte dieser Arzt die Devotees und so operierte er ihn und rettete sein Leben.“
„Wurde er schon aus dem Krankenhaus entlassen?“, fragte ich.
„Sofort nach der Operation nahm ihn die Polizei wegen früherer Vergehen fest“ sagte Guru Vrata. „Er ist jetzt in einem Gefängniskrankenhaus.“
„Phuh! Kein Happy End diesmal.“
„Dieser Zigeuner hier chantet täglich 10 Runden“, sagte Guru Vrata.
„Oh, wirklich?“
„Aber er ist Analphabet und die anderen Zigeuner sagen ihm er verschwände seine Zeit, da er unsere Bücher nicht lesen könne. Sie sagen, er werde das Krishna-Bewusstsein nie verstehen.“
„Das ist nicht wahr!“, rief ich. „Er kann über Krishna hören und auf diese Weise alles lernen. Und der Herr wird ihn auch von innen im Herzen erleuchten.“
„Und“, fuhr Guru Vrata fort, „es wird dich freuen zu hören, dass Alexander seit mehreren Jahren täglich 16 Runden chantet.“
„Das ist wirklich wundervoll.“
„Bevor er zum Krishna-Bewusstsein kam war er auch ein einflussreicher Drogendealer. Er beging viele Verbrechen, die wir nicht erwähnen wollen. Aber nun, da er Hare Krishna chantet ist er weich und sanft geworden. Er erhält sich redlich durch seinen Autohandel. Er befolgt auch strickt die regulierenden Prinzipien. Und vor allem predigt er Krishna-Bewusstsein in der Zigeunergemeinde. Wie du dir vorstellen kannst, ist das nicht ganz einfach. Aber viele Zigeuner holen bei ihm spirituellen Rat.“
Stille breitete sich im Raum aus. Ich sah mich um und wandte mich dann Guru Vrata zu.
„Also?“, fragte ich.
„Also, er würde gern dein eingeweihter Schüler werden“, sagte Guru Vrata.
Ich war überrumpelt. Ich dachte an meinen Entschluss Einweihungen zurückzufahren, aber gleichzeitig verstand ich auch, dass es für Alexander und die Zigeunergemeinde ein großer Schritt vorwärts wäre.
„Ja“, sagte ich fest, „ich werde ihn einweihen.“
Applaus brach los.
„Aber“, sagte ich, „ich habe eine Bitte: die Zigeunermänner des Dorfes sollen ihr Einverständnis erklären.“
Während des Prasadams wandte sich Uttama-Shloka an mich: „Warum brauchst du die Zustimmung der Ansässigen?“, fragte er. „Du bist Alexanders spiritueller Meister. Du musst doch niemanden um Erlaubnis bitten um ihn einzuweihen.“
„Das ist schon richtig“, antwortete ich, “aber wenn die Männer des Dorfes ihr Einverständnis geben, wird die Einweihung in den Augen der Dorfgemeinschaft mehr Geltung haben. Auf diese Weise
nehmen dann vielleicht
auch andere Zigeuner das Krishna-Bewusstsein ernster.“
Die nächsten Tage gab ich regelmäßig Vorträge im Tempel. Hunderte Devotees aus allen Gegenden Sibiriens kamen. Es viel mir besonders auf, wie ernst sie das Krishna-Bewusstsein nahmen. Viele
Fragen wurden gestellt, aber die Fragen, die mir die ganze Zeit im Kopf herumging, war, ob die Zigeunermänner
Alexanders Initiation autorisieren würden.
In der Zwischenzeit kamen neun weitere Kandidaten auf mich zu, die von ihren Tempelpräsidenten zur Einweihung empfohlen worden waren. Da sie alle wundervolle Devotees waren, konnte ich kaum ablehnen. Die Tage vergingen, aber am Morgen des Tages, an dem die Initiation stattfinden sollte, hatten wir noch immer nichts aus dem Zigeunerdorf gehört.
Also wir uns schließlich bereit machten um die Wohnung in Richtung Tempel für die Einweihungszeremonie zu verlassen, klingelte Uttama-Shlokas Telefon. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Guru Maharaja“, sagte er, „Alexander sagt, dass niemand in der Zigeunergemeinde einen Einwand hat. Erlaubnis erteilt.“
Mir traten Tränen in die Augen. Vielleicht aus Dankbarkeit gegenüber den Zigeunermännern oder einfach aus Freude für Alexander. Oder vielleicht, weil ich eine Ahnung von der unfassbaren Gnade Shri Chaitanyas bekam, der Seine Barmherzigkeit in diesem dunklen gefährlichen Kali-Yuga an alle verschenkt.
Auf dem Weg zum Tempel erzählte ich Guru Vrata, welchen Namen ich Alexander geben wollte, um sicher zu gehen, dass nicht bereits ein Tempeldevotee so hieß. „Er soll Dina Bandhu dasa heißen. Das ist ein Name Krishnas und bedeutet der Diener der Gefallenen.“
Guru Vrata schluckte. „Guru Maharaja, wenn ich demütig einen Vorschlag machen dürfte: Zigeuner reagieren sehr empfindlich darauf, wenn sie als gefallen angesehen werden. Sie werden diesen Namen nicht mögen. Sie sind ein stolzes Volk.“
„Welchen Namen würdest du denn vorschlagen?“
„Das musst du entscheiden.“
Ich dachte einen Moment lang nach. „ Ich werde ihm einen noblen Namen geben, so dass die Zigeuner stolz sein werden, dass einer der ihren ein Devotee Krishnas ist.“
Ich blätterte rasch durch mein kleines Buch mit Namen für Schüler.
Ich freute mich auf den Moment, in dem Alexander eingeweiht würde. Dies war die Frucht vieler Besuche im Zigeunerdorf. Ich hielt die Ansprache absichtlich kurz. Als die Schüler vortraten um ihre
Versprechen abzulegen,
begann mein Herz stärker zu schlagen. Einem nach dem anderen gab ich einen neuen Namen: Kriya Sakti dasi, Dana Gati dasi, Gita Vilasi dasi, Sri Gauri,
... .
Alexander kam als letztes. Nachdem er sich verbeugt hatte, kniete er vor mir. Es fühlte sich wie ein historischer Moment an. Ich dachte, dies ist vielleicht das erste Mal, dass ein Vollblutzigeuner in ISKCON initiiert wird.
Nachdem er seine Versprechen gemacht hatte, überreichte ich ihm lächelnd und tief bewegt seine Jappakette. „Von heute an wird dein Name Purusha Simha dasa sein. Das bedeutet, der Diener des höchsten Genießers, der die Form eines transzendentalen Löwen hat. Shri Nrsimha beschützt stets seine Devotees. Sei also furchtlos - löwengleich - und verbreite die Herrlichkeit des heiligen Namens in deinem Zigeunerklan.“
Ich blickte ins Publikum und sah einige der Zigeunermänner nicken und von Ohr zu Ohr strahlen.
„Nun, da Shri Gaura in diese Welt hinabgestiegen ist, spülen plötzlich die Wellen der heiligen Namen Shri Krishnas über diesen Planeten und die Herzen der sündhaften bedingten Seelen, die hart
waren wie Donnerkeile, sind weich geworden wie Butter. Lass mich bei den Lotusfüßen dieses Shri Gaura Zuflucht suchen.“
[Srila Prabodananda Saraswati, Caitanya-candramrita, Vers 110]